Rocky

… Fortsetzung


Rocky musste natürlich auch viel lernen. Aber dazu bedurfte es nicht der 6000 Wiederholungen an verschiedenen Orten, nein, man musste es ihm nur einmal erklären, schon beherrschte er alles. Wir konnten das Gejammer anderer Hundebesitzer gar nicht verstehen.

Der erste trübe Tag war der 22.06.1995. Da stürzte Rocky von unserem Balkon in vier Meter Tiefe. Er schrie furchtbar. Es war dunkel und wir mussten ihn erst suchen. Er war in den Bäumen und Büschen von unserem Nachbar gelandet. Auch die ortansässige Tierärztin hatte zuhause dieses furchtbare Geschrei vernommen und sich schon mal auf den Weg gemacht. Erstmal konnte man nur feststellen, dass er nicht laufen konnte. Wir fuhren in die Tierklinik nach Nürnberg.

Dort wurde ein zweifacher Bruch des rechten Beines diagnostiziert. Er wurde stationär aufgenommen und der gebrochene Ellbogen musste operiert werden. Zwei Tage später konnten wir unseren geliebten "Berberbär" wieder abholen. Und man will es nicht glauben, er bekam von einigen Binzwanger Einwohnern Krankenbesuch. Spielzeug und Nassfutterschalen, liebevoll verpackt, waren die Geschenke. Eine Einwohnerin hat einmal gesagt: "Er ist irgendwie kein Hund sondern wie ein Mensch." Wir wussten damals schon, er war was ganz Besonderes. Man konnte es nicht erklären, das war einfach so, und das war so bis er 13 Jahre später starb.

So ein lieber unkomplizierter Berberbär kommt natürlich auch irgendwann in die Pubertät. Er leerte die Mülltonne regelmäßig aus oder schlich sich davon, um die Binzwanger Einwohner zu besuchen. Auch die Jagd nach Rehen gefiel ihm mehr und mehr. Aber man musste vielleicht zwei- oder dreimal richtig schimpfen, verbunden mit einem Klaps auf den Po und die Sache war erledigt und er war wieder brav. Die Pubertät ging vorüber. Fortan hatten wir wieder unseren lieben, braven, unkomplizierten Hund.

Im April 1996 suchten wir für Rocky eine Partnerin und wurden fündig: Hazel. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Am 26.05.1997: Geburt der fünf Söhne: Hazel ließ ihn zwei Wochen nicht zu den Welpen. Er beschloss damals auch die Nacht draußen zu verbringen. Er übernahm die Erziehung erst als sie mit drei Wochen nach draußen durften.


Vom 26.04.1998 bis 01.08.1998 Begleithundekurs bei der Jägervereinigung Rothenburg, natürlich mit 1a Abschluss.

Nov. 1999: Ronja (Schäfer-Labrador-Mix) kam im Alter von drei Monaten zu uns. Er hat sich wunderbar um sie gekümmert, mit ihr gespielt und sie erzogen.

Juni 2000: Geburt der fünf Welpen von Ronja: Auch hier hat er sich liebevoll gekümmert und die Welpen mit erzogen.

Nov. 2001: Neuzugang Spike (Dobermann) und Senta (schwarzer Altdeutscher Hütehund): Auch diese beiden wurden von Rocky freundlich im Rudel aufgenommen. Er hat sie erzogen und auch mit ihnen gespielt. Bei Rocky durfte man als junger Hund auch mal frech sein und übers Ziel hinaus schießen und mit Wonne in den "Berberbärschwanz" beißen im Unterschied zu Hazel, die ausschließlich Wert auf eine gute Erziehung legte.

In der Zeit von 1999 bis 2004 waren wir neben unserer beruflichen Tätigkeit sehr intensiv mit Tierschutz beschäftigt. Wie viele Hunde und Welpen wir in dieser Zeit aufgenommen, gepflegt und wieder vermittelt haben, wissen wir nicht mehr. Rocky hat uns dabei viel Arbeit abgenommen. Er gab den teilweise arg traumatisierten Hunden Sicherheit und Geborgenheit. Er nahm sich ängstlich aggressiven Hunden genauso an wie den scheinbar normalen. .....Alle! haben sie gelernt von ihm. Einer, namens Mogel (sehr ängstlich, aggressiv), hatte keine Prägung auf Menschen, eigentlich ein Fall zum Einschläfern .... Rocky hat die Brücke gebaut .... Mogel lebt heute glücklich als Zweithund in einer Familie.

Rocky und Hazel haben mit uns quasi die Hundeschule aufgebaut. Ohne dass wir es am Anfang richtig wahrgenommen haben, lernten wir viel von diesen beiden besonderen Hunden.

Rocky regelte viel über Ruhe, Gelassenheit und Ignorieren. Damit hatte er zu 90% Erfolg. Aber eines Tages kam ein sieben Monate! alter Shar Pei samt Frauchen zu uns in die Hundeschule. Sehr aggressiv und mit Verletzungsabsicht stürzte er sich auf Rocky. Unser "Berberbär" faltete das Shar Pei Würstchen zusammen, dass es in keinen Schuh mehr passte. Das Junghundchen musste auch hinterher den Tierarzt besuchen. Im ersten Moment waren wir starr vor Überraschung und brachten nur ein "Huch, das hat er noch nie gemacht." aus unserem Mund. Wir wussten bis dahin nicht, dass Rocky auch eine andere Sprache sprechen konnte, und zwar sehr deutlich.

Wir lernten Schritt für Schritt das, was unsere beiden Hunde Rocky und Hazel schon immer beherrschten. Hunde lesen und im richtigen Moment das Richtige tun.

Das Jahr 2005 war kein gutes Jahr für Rocky. Er litt immer wieder an einer Vergrößerung der Prostata. Er musste kastriert werden und seine geliebte Hazel starb. Der "Große", durch nichts zu erschütternde, fest im Leben stehende Rocky war nur noch ein Häufchen Elend. Er wurde sehr depressiv und fiel in ein tiefes Loch.

Aber zu Glück kommen nach schlechten Tagen auch wieder gute Tage. Im Januar 2006 holten wir ein Enkelkind von Rocky zu uns, den kleinen Harry. wie sollte es auch anders sein, Rocky übernahm die Erziehung des kleinen Neuzugangs und seine Depressionen waren verschwunden. Fortan stapfte der kleine Harry-Wams neben seinem Opa durchs Leben. Rocky hatte wieder eine Aufgabe, seine letzte.

Wir erhofften uns mit dem Kauf des Enkelkindes, der "Nachzucht", einen würdigen Nachfolger für Rocky. Unser Berberbär war schon in die Jahre gekommen. Mit 11 denkt man schon öfter daran, dass es auch mal schnell gehen kann mit dem Sterben. Aber leider hat der "elende Wams" nur die Fellfarbe und den Beliebtheitsgrad bei Menschen von seinem Opa geerbt.

Rocky war soweit von schweren Krankheiten verschont. Durch den schweren Sturz im Welpenalter bildete sich an den vorderen Gelenken Arthrose, die wir aber mit Schmerzmittel gut im Griff hatten.

Im Juni 2008 ging es ihm schlechter. Er wollte nicht mehr so richtig spazieren gehen und körperlich baute er auch sehr ab. Mit 13,5 Jahren hatte er eigentlich ein schönes Alter und als es ihm am 19.07.2008 so dermaßen schlecht ging, machten wir uns zwar noch auf den Weg in die Tierklinik nach Reichenberg, aber mit dem Gedanken unseren Rocky tot wieder mit nach Hause zu bringen.

Er hatte wie seine Hazel einen Milztumor. Dr. Steinbauer und Dr. Thevis schafften das für uns Unfassbare. Rocky war mehr tot als lebendig und hatte zwei Liter Blut im Bauchraum. Dennoch gelang es den beiden Ärzten Rocky zu retten. Unsere Senta hatte noch vor Ort einen halben Liter Blut gespendet. Jetzt musste er nur noch zu Kräften kommen.

Nach drei Tagen durfte er die Klinik verlassen, und es ging ihm so gut wie lange nicht mehr. Man musste aufpassen, nicht zu vergessen, dass dieser Hund bald 14 Jahre alt wurde ..... und Krebs hatte. Nach reiflicher Überlegung beschlossen wir, ihm Chemotherapie zu geben. Er hat sie gut vertragen und sein Leben immerhin noch fünf glückliche Monate verlängert.

Wir hatten "lange" oder auch "nur" fünf Monate Zeit, uns von unserem geliebten Berberbär zu verabschieden. Mit hatten zum Glück die Gelegenheit, ihn  nach Herzenslust zu verwöhnen, und jeden Moment zu genießen, den er noch unter uns verbringen durfte.

An manchen Tagen wollte er nicht spazieren gehen, dann wiederum stellte er sich demonstrativ vor das Auto, und schlappte dann irgendwo eine halbe Stunde umher. Er konnte sich aussuchen, wie lange er gehen wollte. Lag er auf einmal im "Platz", war das sein Zeichen für: "So, jetzt will ich wieder heim". Dann ging man zum Auto zurück und fuhr nach Hause.

Am 09.12.2008 schien er erneut innere Blutungen zu haben. Das gleiche Bild wie am 19.07.2008. Er konnte nicht mehr aufstehen, Kreislaufprobleme. Wir hatten erst vor vier Wochen unseren Spike verloren. Nun musste Fr. Dr. Winkle schon wieder kommen, um einen unserer Hunde einzuschläfern. Sie kam sofort.

Wir wussten, es ist soweit. Unser Berberbär will gehen ..............


Wir wissen, dass wir solch einen besonderen Hund nie wieder bekommen werden, und wir sind dankbar, dass Rocky fast 14 Jahre bei uns sein durfte.

Man wünscht sich ja so sehr, dass er "da oben" seine Hazel wieder getroffen hat und beide zusammen glücklich sind. Ob das so ist? Wer weiß das? Wir glauben einfach fest daran ......

An dieser Stelle möchten wir auch wieder mal "Danke" sagen für großartige Arbeit, liebevolle Betreuung und kompetente Beratung:

Dr. Dagmar Winkle, Tierarztpraxis Steinsfeld Dr. Steinbauer, Tierklinik Reichenberg Dr. Thevis, Tierklinik Reichenberg und Team Dr. Kern, Tierarztpraxis Marktbergel.


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